Am Anfang ist Erfahrung

Philosophisches Café mit Hermann Schmitz

Dienstag, 4. Oktober 2016, 19 Uhr

Hermann Schmitz ist ein großer Singulär unter den zeitgenössischen Philosophen. Die von ihm begründete und in einem mächtigen Werk entwickelte "Neue Phänomenologie" bereitet den geistigen Abschied von der abendländischen "Weltbemächtigung" vor. Gegen das abgespaltete Machen und noch mehr Machen setzt er die Erfahrung. Schmitz' Denken beginnt mit dem "affektiven Betroffensein". Das sei die basale Erfahrung, und das ist der Grundstein seines Denkens.

Hermann Schmitz ist 88 Jahre alt, hellwach und mit gar nichts fertig. In seinem jüngsten Buch "Ausgrabungen zum wirklichen Leben" (Karl Alber) fasst er alles zusammen. Die Wirkung des mehrere Jahrzehnte in Kiel lehrenden Philosophen breitet sich heute vor allem bei Ärzten, Therapeuten, bei Theologen und Organisationsberatern aus. Viele Menschen finden heute in Schmitz' Denken Material und Werkzeug für Neuanfänge einer ins Schwanken geratenen Zivilisation.

"Die antike Philosophie mit Welt- und Menschspaltung, das mittelalterliche Christentum mit Bindung des affektiven Betroffenseins an die Macht als zentrales Thema, die Neuzeit mit dem gegen Situationen und leibliche Kommunikation blinden Weltbild der Naturwissenschaft haben die Menschen vom Einblick in ihr wirkliches Leben abgelenkt. Die noch unverlorene Kraft kritischer Aufklärung lässt einige Hoffnung auf einen Neubeginn des menschlichen Selbst- und Weltverständnisses im Abendland übrig."

Gastgeber: Reinhard Kahl

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