Das Paradox des Selbstbewusstseins

Können wir überhaupt wissen, worin Bewusstsein besteht? Vortrag von Prof. Dr. Markus Gabriel
auf dem Kongress Meditation & Wissenschaft 2020 in Berlin
Wenn wir uns unseren eigenen mentalen Zuständen, wozu das Bewusstsein gehört, zuwenden, verändern wir diese. Ein Zustand, dessen ich mir als solchem bewusst werde, unterscheidet sich anscheinend von einem Zustand, der vorliegt, ohne dass sich gleichsam der Scheinwerfer des Bewusstseins auf ihn richtet. Die Sachlage ist allerdings noch komplexer, wenn wir uns der tiefen Frage widmen, was Bewusstsein eigentlich ist und ob es sich, wie viele Neurowissenschaftler, Psychologen und Philosophen meinen, um eine Illusion handelt, die in Wirklichkeit gar nicht existiert. In meinem Vortrag werde ich einen Lösungsvorschlag für das Paradox des Selbstbewusstseins anbieten und dafür halten, dass es das Bewusstsein nicht gibt. Stattdessen sollten wir von einer Selbstbildfähigkeit des Menschen sprechen, für die der Titel des Geistes steht. Die Selbstbildfähigkeit ist ihrerseits historisch, diachron und synchron variabel, was bedeutet, dass wir mit radikaler mentaler Pluralität rechnen und anerkennen müssen, dass wir den Menschen nicht über einen vereinfachten Begriff des Bewusstseins feststellen oder gar neurowissenschaftlich erforschen können.
(Bild © Raphael Merkle)

mehr zu dem Projekt