Der Sturz ins Nichts? Aussichten auf eine negative Moderne

PHILOSOPHISCHES CAFÉ mit Sven Hillenkamp

"Der Einzelne wird - ohne Wert, im Zeitbrei, unfähig zur Aktivität, erniedrigt durch das Mögliche - im Zentrum seiner Vitalität getroffen."

Dehnt sich das Mögliche auf Kosten des Wirklichen? Siegt der Konjunktiv über den Indikativ und schrumpft dabei unsere Welt, die sich nur scheinbar ausdehnt? Warum entstrukturiert sich für viele die Zeit, verliert sie an Rhythmus und verengt sich der Horizont?

Solche Fragen treiben Sven Hillenkamp zu Erkundungen einer "Negativen Moderne", so der Titel seines gerade erschienenen Buches bei Klett-Cotta. Der Autor des viel diskutierten Buches "Das Ende der Liebe - Gefühle im Zeitalter unendlicher Freiheit" versucht Licht in die Schattenseiten der Moderne zu bringen und kritisiert dabei die gängigen Sozialtheorien. Schon in seinem ersten Buch sah er die Liebe im Überfluss ertrinken. Zu viele Wahlmöglichkeiten machten sie unmöglich. Nun verfolgt er weiter diese Spur: "Struk­turen der Freiheit und der Sturz ins Nichts".

Der 1971 geborene Philosoph und Sozialforscher beobachtet ein taumelndes Selbstwertgefühl bis hin zur Unfähigkeit zu arbeiten. Denn wenn das Handeln ans Innenleben gekoppelt wird, dann wird das Handeln unmöglich und die Arbeit ertraglos. Und wenn der Wert des Einzelnen ins Nichts zu fallen droht, dann muss er sich dauernd durch kommunikative "Bestätigung" aufwerten. Ein moderner Sisyphos.

Gastgeber: Reinhard Kahl

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