Das Ende des amerikanischen Zeitalters

Vortrag von Prof. Dr. Herfried Münkler im Rahmen 5. Staffel der Vortragsreihe "Zukunft denken" im Planetarium Hamburg
Historische Epochen tragen häufig den Namen der Macht, von der die Ordnung einer Ära geprägt worden ist. In diesem Sinne gibt es ein römisches, ein spanisches, ein britisches und ein amerikanisches Zeitalter. Die für ihre Epoche eponymen Mächte haben aus ihrer Dominanz nicht nur materielle Vorteile bezogen, sondern in die von ihnen begründete Ordnung immer auch „investiert“. Das hat für sie durchaus eine Belastung dargestellt. Nicht sie selbst waren die eigentlichen Nutznießer dieser Ordnung, sondern das waren die „Trittbrettfahrer“, die den Ertrag der Ordnung konsumierten, ohne in deren Aufrechterhaltung zu investieren. In der Geschichte der großen Ordnungsbildungen lässt sich deswegen fast immer Kippkonstellation beobachten, in denen den „Hütern der Ordnung“, also den jeweiligen Vormächten, die übernommene Aufgabe zu groß, zu belastend und zu teuer geworden ist. Sie verwandeln sich dann aus dem „Hüter der Ordnung“ in deren aggressiven Nutznießer – und das ist der Anfang vom Ende dieser Ordnung und damit eines Zeitalters. In einer solchen Situation befinden wir uns.

Bild: Ralf U. Heinrichs

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