Horizontverengung?

Philosophisches Café mit Hans Ulrich Gumbrecht

"Ist Donald Trump ein exzentrischer Einzelfall oder Agent eines Weltzustandes, der sich nicht mehr schönreden lässt?"

Die Moderne beruht auf einer offenen und gestaltbaren Zukunft. Doch die Gegenwart wird breit und auf Dauer gestellt. Es soll, solange es nur geht, so weitergehen. "Zukunft wird als näher kommende und nicht vermeidbare Bedrohung erlebt, nicht mehr als ein Prospekt von Möglichkeiten." Das sind Tages- und Nachtgedanken von Hans Ulrich Gumbrecht.

Der Literaturwissenschaftler war mit 26 Jahren jüngster Professor in Bochum. Seit 1989 lehrt er in Stanford, nahm die amerikanische Staatsangehörigkeit an und fühlt sich, demnächst emeritiert, dort keineswegs unwohl. Dennoch: "Das Politische, der Glaube an eine offene und gestaltbare Zukunft ist verloren gegangen." Nicht nur in den USA. Trump ist ein Indikator. Er will Politik zertrümmern. Er will eigentlich keine Zukunft. Er will auch nicht argumentieren. Er will nur schnelle Resonanz, um seine Leere aufzuladen. Ist er damit nicht ein Spiegel, ein fataler Zeitgenosse? Da hilft nur noch Denken. Und das Gespräch. Und die nicht unbegründete Hoffnung auf unerwartete Morgenröten.

"Je breiter die Gegenwart wird, desto deutlicher artikuliert sich die Zeit in einer Hektik ohne Richtung, die keine langfristigen Entwicklungsbewegungen mehr zeigt."

Gastgeber: Reinhard Kahl

Bild © Suhrkamp Verlag

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