Thema: Zusammenleben

Philosophisches Café mit Leander Scholz
Leander Scholz hat Romane geschrieben. Er hat einen Verlag mitgegründet (Tropen). Er lehrt Philosophie auf befristeten Stellen und publiziert Akademisches. Er ist Zeitgenosse der Patchwork- und Projektewelt. Und dann kündigte sich ein Kind an. Seine Frau will ihre neue Stelle nicht gefährden. Der Vater geht in Elternzeit und erlebt erst einmal sein blaues Wunder. »An manchen Tagen war ich derart aggressiv, dass ich am liebsten auf der Straße wahllos irgendjemanden angebrüllt hätte.«

Aber dann geschehen auch ganz andere Wunder. Die übliche Zeitstruktur und das Funktionieren im Modus des Um-zu lösen sich auf: »Im beruflichen Alltag war ich es gewohnt, Projekte lange im Vorhinein in Gang zu bringen. Jetzt wurden meine Vorhaben ständig durchkreuzt.« Er erfuhr, was es heißt, ganz da zu sein. »Wenn das eigene Herz nicht mehr nur im eigenen Körper schlägt.« In seinem Buch »Zusammenleben – Über Kinder und Politik« (Hanser Berlin) beschreibt Leander Scholz seine neue Erfahrung, die doch die älteste ist. Die des Seins im Unterschied zum Vermitteln, Verwerten und Funktionieren. Wovon ist dieser alte Boden bedroht? Weshalb ist er uns fast fremd geworden? Und wie könnte er wieder fruchtbar werden?

»Kinder halfen bei der Bewältigung der eigenen Sterblichkeit. Familien haben einen anderen Zeithorizont als Einzelmenschen.«

Gastgeber: Reinhard Kahl

Bild © Götz Schleser

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