Religion kontrovers - Religion anders denken

Die bisherigen Veranstaltungen

Die neue Veranstaltungsreihe "Religion kontrovers" verbindet Religion, Kunst und Wissenschaft, drei Bereiche, die sich in ihrem Grundbestreben treffen: der Suche nach Zusammenhängen und dem Entwurf von Weltbildern, an denen sich das menschliche Handeln ausrichten kann. Die Reihe wird gemeinsam mit der Theaterakademie August Everding in München veranstaltet und von Prof. Dr. Michael von Brück konzipiert.

Bisher fanden statt:


29. Juni 2018

Wahrheit? - Fakten und Fake News


„‚Stirb meine Seele mit den Philistern!‘ so rief Samson und er streckte sich mit Kraft und es fiel der Tempel auf alles Volk, das darin war.“ Ist der biblische Held Samson wirklich Streiter seines unterdrückten Volkes? Oder ist er schlicht der erste religiöse Selbstmordattentäter der Geschichte? Gemeinsam mit Samantha Ritzinger und Patrick Nellessen ergründeten die Regisseurin Sapir Heller, Absolventin der Theaterakademie, die Untiefen religiöser Wahrheiten und fördert neue Sichtweisen zu Tage.

Moderne Medien lassen Fakten und Fake oftmals verschwimmen. Wie also finden wir Orientierung? Oder kann die Kunst den kritischen Blick auf suggerierte Wahrheiten hinter dem Vorhang richten? Bettina Reitz, ehemalige BR-Fernsehdirektorin und Präsidentin der Hochschule für Fernsehen und Film München, sowie Gert Scobel, Moderator der Kultur- und Wissenschaftssendung scobel auf 3sat, diskutierten über die Rolle der Medien in diesem Vexierspiel der Wahrheiten.

Inszenierung: Sapir Heller, Künstlerische Konzeption: Adrian Herrmann, Sapir Heller. Mit: Samantha Ritzinger, Patrick Nellessen


8. Februar 2018

Coincidentia oppositorum - Zusammenfall der Gegensätze
Ein Name für Gott?

Der Zusammenfall der Gegensätze (coincidentia oppositorum) ist ein Begriff, der in der mittelalterlichen Philosophie mit der Wirklichkeit Gottes verbunden wird. Erahnen wir so die Wirklichkeit Gottes? Gibt es tatsächlich Erfahrungen, die so anders sind, dass unser gewöhnliches Denken daran scheitert? Oder zerbrechen wir an den Gegensätzen - und wollen es nur nicht wahrhaben?

Gibt es Beispiele in der Kunst? Was ist z.B. der musikalische Kontrapunkt, bei dem zwei gegensätzliche Klangfiguren nicht nur nebeneinander ablaufen, sondern einander stabilisieren zu einem neuen Dritten? Gibt es in der sprachmächtigen Dichtung Hölderlins Gestalten des Empfindens und Denkens, die in diese Richtung weisen, oder zerbricht nicht gerade er an diesem "Zusammenfall der Gegensätze"?

In der Auseinandersetzung mit Hölderlin und Nikolaus von Kues gingen die beiden Gastreferenten Prof. Dr. Violetta Waibel und Prof. Dr. Peter Michael Hamel in Vorträgen und musikalischen Interventionen diesen Fragen nach und versuchten, gemeinsam mit Studierenden der Theaterakademie, Gott einen Namen zu geben.

Die junge Mezzosopranistin Céline Akçag und der Pianist Joachim Tschiedel traten mit zwei Hölderlin-Liedern von Wilhelm Killmayer auf. Der Komponist Michael Hamel begleitete seinen Vortrag mit eigenen Werken.


12. Oktober 2017

Gottesentzug - Leben im sinnleeren Raum


Religionen sind auf dem Vormarsch. Weltweit. Christliche und islamische Parolen munitionieren politisch agressive Bewegungen. Hindu-Nationalisten wiegeln das Milliardenvolk gegen die seit Jahrhunderten in Indien ansässigen anderen Religionen auf. Aber ist "Gott" prägend für das Alltagsleben der Menschen? Vor allem im ehemals "christlichen Abendland"? Ist das Geheimnis der Welt überhaupt denkbar, erlebbar, oder entzieht es sich menschlichem Verstehen prinzipiell? Wie können wir leben in einer Welt, da alles möglich scheint und Grenzen - begriffliche, ästhetische, geographische - hinweggefegt werden?

ReferentInnen Prof. Dr. Anne Koch, Prof. Dr. Karl-Josef Kuschel
Mit Philip Lemke, Philipp Rosenthal, Nora Schulte


29. Juni 2017

Integration des Negativen - Frisst uns das Böse von Innen auf?

Ein Attentat als exklusive Lebenserfahrung mit maximaler Selbstwirksamkeit: Die Lecture Performance Atta Atta Aleppo von Caroline Kapp legt einen neuen Blick auf die Person Mohammed Atta frei und setzt Gebäude und Menschen in Beziehung. Wie konnte ein Stadtplaner mit der Zerstörung von Architektur die größte Krise der Neuzeit in der westlichen Welt auslösen?

Im Anschluss an die Performance erweitern Anna Gamma und Christoph Schlüren in ihren Vorträgen den Diskursraum des Negativen. In uns, in unserem Leben, in unserer Gesellschaft, unserer Welt - und über deren Grenzen hinweg. Woher kommt das Böse und Negative? Welche Zwecke erfüllt es? Braucht das Positive das Negative? Braucht das Gute das Böse? Und kann die klare Unterscheidung zwischen Gut und Böse überhaupt getroffen werden?


2. Februar 2017

Was die Welt im Innersten zusammenhält?

Diese Frage von Goethes Faust ist nicht nur ein naturwissenschaftliches Problem, sondern die existentielle Frage des Menschen schlechthin: Woher kommen wir, wer sind wir, wohin gehen wir? Ist dies eine religiöse Glaubensfrage, eine Behauptung weltanschaulicher Positionierung, eine ästhetisch inszenierte Selbstvergewisserung oder gibt es rational bestimmbare Gründe für die eine oder andere Behauptung oder zumindest Vermutung? Präsentieren uns Physik oder Evolutionsbiologie, neuerdings vielleicht die Neurowissenschaften Verlässliches? Was können wir tatsächlich wissen? Jedes Weltbild ist zwar begrenzt und zeitbedingt, gibt es aber nicht vielleicht doch Erkenntnis, die mehr leistet als relative Meinungen zu produzieren? Und was wäre solche Erkenntnis? Wie können Wissenschaft, Kunst und Religion neu miteinander ins Gespräch kommen, "damit der Mensch klug werde"?

Gesamtkonzeption und Moderation Michael von Brück
Künstlerische Konzeption Julia Jorda Stoppelhaar, Miriam Fehlker, Friederike Wrobel, András Borbély T., Arne Bloch, Theresa Kost
ReferentInnen Eva Ruhnau, Ernst-Peter Fischer


27. Oktober 2016

Im technischen Können Riesen - im moralischen Erkennen Zwerge? Menschen im Widerspruch

Die dritte Veranstaltung konfrontierte (natur-)wissenschaftlichen Fortschritt mit moralischen Fragestellungen und ergründet das ambivalente Potential neuer technologischer Errungenschaften. Welche Rolle können Vernunft, Moral und Religion spielen, damit aus bisher ungeahnten Möglichkeiten keine Gefahr wird?

Gesamtkonzeption und Moderation: Michael von Brück
Künstlerische Konzeption: Katharina Nay, Antonia Leitgeb, Anna Gojer, Stefanie Fischer, Andrea Berger, Tamara Yasmin Bauer, Nadine Wiedemann
ReferentInnen: Prof. Dr. Walther Christoph Zimmerli, Prof. Dr. Johanna Haberer


7. Juli 2016

Wenn das Fremde zum Eigenen wird. Kulturwandel und Migration

Identität entsteht wesentlich in der Abgrenzung vom Anderen: Was/wer ich bin, wenn ich der Andersheit des Anderen gewahr werde. Das Andere ist das, was in meine Wahrnehmung tritt und mit dem Eigenen in Beziehung gesetzt wird. Das Fremde hingegen entzieht sich dieser Beziehung, es kann noch nicht oder nicht mehr in meine Beziehungswahrnehmung treten. "Fremd" wird etwas nicht durch Abgrenzung, sondern durch Ausgrenzung. Das ist abhängig von meiner Perspektive. Perspektiven sind Projektionen, die wechseln. Die Geschichte der Natur wie der Kultur besteht aus Assimilation und Dissimilation, Zusammenwachsen (Integration) und Abwehr. Beides ist wohl notwendig, um psychische und soziale Stabilität zu ermöglichen. Wo Identitäten sich voneinander abkapseln, erstarren sie, und das Leben wird gehemmt. Was sind die Bedingungen, dass diese Lebensmuster lebendig bleiben, dass also das Fremde zum Anderen der je eigenen Identität werden kann?

Gesamtkonzeption und Moderation: Michael von Brück

ReferentInnen:
Lamya Kaddor (Islamwissenschaftlerin und Autorin),
Prof. Dr. Armin Nassehi (Soziologie, LMU München)

Theaterbeitrag: Studierende der Theaterakademie München

Regie: Sapir Heller


12. Mai 2016

Religion. Wahn. Gewalt. Und nun?


Die Auftaktveranstaltung fragte nach der Ambivalenz von Religionen: Sie suchen den Frieden und säen Hass und Gewalt. Sie sind mächtig, motivieren Menschen und ganze Völker zu Nächstenliebe und schöpferischer Gestaltung, aber sie sind auch verknüpft mit Wahnvorstellungen und Terror. Sie bieten Heimat und bereiten Außenstehenden nicht selten die Hölle. Warum?

Die Islamwissenschaftlerin Gudrun Krämer und der Jesuit Christian M. Rutishauser referierten zunächst aus ihrer spezifischen Perspektive zum Thema Religion. Wahn. Gewalt... Und nun?. Nach einem performativen Beitrag von Studierenden und einem Absolventen der Theaterakademie August Everding luden die beiden Referenten gemeinsam mit dem Religionswissenschaftler Michael von Brück alle Gäste zu einer Podiumsdiskussion ein.

Gesamtkonzeption und Moderation: Michael von Brück

Künstlerische Konzeption: Tamara Yasmin Bauer, Andrea Berger, Anna Gojer, Antonia Leitgeb, Katharina Nay, Nadine Wiedemann, Oliver Zahn (Studierende und Absolvent der Theaterakademie August Everding)

ReferentInnen: Gudrun Krämer (Institut für Islamwissenschaften, Freie Universität Berlin), Christian M. Rutishauser (Provinzial der Schweizer Jesuiten)