UNSERE CHRONIK

Ein Überblick über die Förderarbeit der Udo Keller Stiftung Forum Humanum anhand der Ereignisse eines Jahres.


Montag, 12. November 2018

CIN-Dialogue 2018: Sucht - Haben wir ein Recht auf Rausch?

Drogenpolitik zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Ein interdisziplinäres Gespräch
Prof. Dr. Lorenz Böllinger, Bremen und Prof. Dr. Rainer Thomasius, Hamburg, moderiert von Gábor Paál.

Anfang des Jahres 2017 hat der Deutsche Bundestag Cannabis für medizinische Zwecke legalisiert. Eine mögliche Freigabe von Cannabis auch zu Genusszwecken bleibt dagegen weiter heftig umstritten. Die Diskussionen über einen liberaleren Umgang mit Cannabis sind von einem drogenpolitischen Konsens weit entfernt. Während Teile der Gesellschaft das Ideal einer drogenfreien Gesellschaft hochhalten, plädieren die Befürworter einer Freigabe für ein Recht auf Rausch. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum die Drogen-Debatte so emotional und wertbeladen geführt wird.

Auch in der Wissenschaft werden sehr verschiedene Standpunkte vertreten. Gestritten wird zwar weniger über die grundsätzlich ablehnende Haltung gegenüber Drogen, wohl aber über den richtigen Weg zur Eindämmung ihres Genusses. Juristen argumentieren häufig, dass ein strafrechtliches Verbot nicht geeignet ist, um das vom Gesetzgeber vorgegebene Ziel, die Gesundheit der Menschen zu schützen, zu erreichen. Statt einer Stigmatisierung durch das Recht plädieren sie für eine begrenzte Freigabe von Cannabis für den privaten Konsum bei gleichzeitiger Regulierung der Herstellung und des Vertriebs der bislang illegalen Droge. Ein striktes Verbot, so die Befürchtung vieler Juristen, senke das Schutzniveau eher ab, anstatt es zu erhöhen. Auf der anderen Seite sind es vor allem die Mediziner, die erhebliche Bedenken gegen eine Freigabe von Cannabis haben und Gefahren für den Jugend- und Konsumentenschutz sehen. Für sie spricht vieles dafür, in Cannabis eine Einstiegsdroge zu sehen und den Konsum aufgrund der großen Gefahr weitergehender Suchtentwicklung auch künftig zu verbieten. Zudem hat der Konsum von Cannabis selbst offensichtlich schädigende Wirkung auf die körperliche, psychische und geistige Gesundheit.

Über diese Fragen diskutierte der Strafrechtler und Kriminologe Lorenz Böllinger mit dem Mediziner und Suchtexperten Rainer Thomasius. Das Gespräch wurde von dem Journalisten Gábor Paál (SWR) moderiert.

Begleitend zur öffentlichen Podiumsdiskussion veranstaltete das Forum Scientiarum einen Workshop zum Thema.

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